Fahrradschloss Test: Welche Schlösser sind am sichersten?

Gelegenheit macht Diebe, diese alte Weisheit gilt auch für das Fahrrad. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden 2013 bundesweit mehr als 319.000 Fahrräder gestohlen. Damit ist die Zahl der Fahrraddiebstähle zwar im Vergleich zu 1994, als mehr als eine halbe Million Räder gestohlen wurden, erheblich gesunken; dennoch sind diese Zahlen alarmierend, denn beim Fahrraddiebstahl liegt die Aufklärungsquote bei etwa 9,2 Prozent. Das bedeutet: Nicht einmal jedes zehnte Rad kann seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden.

So schützen Sie Ihr Rad vor Langfingern

Am wirkungsvollsten schützen Sie Ihr Fahrrad, wenn Sie dieses an belebten Orten abstellen und mit einem Fahrradschloss sichern. Handelt es sich um ein älteres oder ein günstiges Fahrrad, bei dem sich der Verlust in Grenzen halten würde, müssen Sie auch nicht zu den teuersten Schlössern, die den besten Schutz versprechen, greifen. Denn in erster Linie kommt es darauf an, einen möglichen Dieb aufzuhalten. Ein professioneller Dieb nimmt sich nämlich nur drei Minuten Zeit, um ein Schloss zu knacken. Und je mehr Menschen in der Nähe sind, umso eher läuft er Gefahr, entdeckt zu werden. Darüber hinaus werden im Fachhandel natürlich allerhand Fahrradschlösser unterschiedlicher Qualität angeboten, die Schutz vor Langfingern bieten sollen.

Bügelschlösser

Den Nachteil, dass sie relativ sperrig und schwer sind, machen Bügelschlösser dadurch wett, dass sie den besten Schutz für das Rad bieten. Die massiven Stahlrohre von Bügelschlössern lassen sich auch mit kleinen Akkuschleifern, Bolzenschneidern oder Sägen, die ein potenzieller Dieb unter der Jacke verstecken kann, nicht knacken. Selbst speziellen Picking-Werkzeugen halten die meisten Bügelschlösser stand. Bei diesen Fahrradschlössern haben lediglich Profis, die mit Spezialwerkzeugen ausgerüstet sind, eine Chance auf einen erfolgreichen Diebstahl.

Im Test von Stiftung Warentest erwies sich das Abus Granit X-Plus 54/160 HB 300 als bestes Bügelschloss. Beim Versuch, das Schloss zu knacken, wurden teilweise die Werkzeuge beschädigt, während das Schloss nahezu unbeschädigt blieb und seine Funktion weiter erfüllte.

Faltschlösser

Eine gute Alternative zu Bügelschlössern stellen moderne Faltschlösser dar. Diese sind nicht nur leichter und flexibler, sondern lassen sich auch mit wenigen Handgriffen zusammenfalten, ähnlich einem Zollstock. Allerdings stellen die Gelenke die bekannten Schwachstellen der Faltschlösser dar.

Trelock FS 455

Mit einem “sehr gut” wird das Trelock FS 455 bewertet. Ein potenzieller Fahrraddieb benötigt zum Knacken des Schlosses sehr lange, weil das Schloss kaum eine Möglichkeit bietet, das Werkzeug anzusetzen. Zudem lässt es sich sehr leicht bedienen.

Ketten- und Spiralkabel

Äußerst beliebt bei Radfahrern sind Kettenschlösser und Spiralkabel, weil sich damit das Rad nicht nur an Radständern, sondern auch an Geländern, Laternenpfählen und ähnlichen Fixpunkten befestigen und verschließen lässt. Allerdings schneiden Ketten- und Spiralschlösser in Sachen Sicherheit laut Fahrradschloss Test am schlechtesten ab. Der Grund: Nahezu jedes Kettenschloss und Spiralkabel lässt sich von einem Profi mit dem entsprechenden Werkzeug in wenigen Sekunden durchzwicken. Diese Fahrradschloss-Variante eignet sich somit allenfalls in Kombination mit einem Bügelschloss.

Es dauert relativ lange, bis sich die ummantelte Kette des Kettenschlosses Steel-O-Chain Ivy 9100 Chain Lock knacken lässt. Ein Fahrrad-Dieb muss mit relativ großem Gerät anrücken, um die Kette zu zerstören.

Panzerkabel

Als guter Kompromiss gelten Panzerkabel. Diese sind länger als Bügelschlösser und stabiler als herkömmliche Kettenschlösser und Spiralkabel. Allerdings sind Panzerkabel relativ schwer, die Modelle des Siegerherstellers im Fahrradschloss Test „Abus“ wiegen stolze 1,6 Kilogramm und sind somit gut 500 Gramm schwerer als die besten Bügelschlösser. Zu leichte Panzerkabel empfehlen sich nicht, weil diese mit Bolzenschneider, Akkuschleifer oder Säge relativ einfach durchtrennt werden können.

Der Sieger im Fahrradschloss Test

Wie die Stiftung Warentest in einem umfangreichen Fahrradschloss Test ermittelt hat, schneiden die Bügelschlösser und Panzerkabel des Herstellers Abus am besten ab. Die Schlösser des Siegers im Fahrradschloss Test liegen preislich durchwegs im mittleren zweistelligen Bereich.

Ein zusätzlicher Schutz

Auch die besten Fahrradschlösser können keinen hundertprozentigen Schutz vor Dieben bieten. Tagsüber sollten Räder deshalb an gut einsehbaren und möglichst verkehrsreichen Orten abgestellt werden, während das Rad über Nacht in einem verschließbaren Raum aufbewahrt werden sollte. Weil sich die meisten Raddiebe auf eine bestimmte Art von Schlössern spezialisiert haben, ist es sinnvoll, das Rad mit zwei verschiedenen Schlössern zu sichern. Beispielsweise kann das Rad mit einem Bügelschloss an einer Laterne oder an einem Geländer befestigt werden, während der Drahtesel zusätzlich mit einem Kabelschloss an den Rädern gesichert wird. Mit dieser Variante ist der Effekt der Abschreckung am besten gewährleistet und der Fahrraddieb sucht sich mit ziemlicher Sicherheit eine leichtere Beute.

Fazit

Grundsätzlich sollte jedes Rad, völlig unabhängig von seinem Wert, zumindest mit einem Fahrradschloss gesichert werden. Denn auch wenn sich der finanzielle Schaden möglicherweise in Grenzen hält, ist der Verlust des Rades ärgerlich, zumal die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen im Vergleich zu anderen Verbrechen weit unter dem Durchschnitt liegt. Vor allem, wenn Sie viel Geld für Ihr Rad ausgegeben haben und dieses intensiv nutzen, sollten Sie auf den Diebstahlschutz durch zwei Fahrradschlösser nicht verzichten.

Sollte Ihr Rad trotz aller Vorsicht trotzdem gestohlen werden, kann der Schaden möglicherweise von der Hausratversicherung übernommen werden. Sollte dies nicht der Fall sein, bieten die meisten Versicherungen eine sogenannte Fahrrad-Diebstahl-Versicherung als zusätzliche Police zur Hausratversicherung an. Das lohnt sich vor allem dann, wenn Sie ein hochpreisiges Rad wählen, das bei Fahrraddieben besonders begehrt ist.